20140413 980h

 


Zum Konzert am 15.10.2015

Zweimal Bariton und ein Klavier

„An die ferne Geliebte“ - so lautete der Titel des Konzertabends, zu dem das Musikforum unter Leitung von Dietmar Vollmert am Sonntag ins Rat- und Bürgerhaus eingeladen hatte. Auch wenn das Foyer nicht komplett gefüllt war: 25 Menschen wollten hören, was die beiden Baritone Alexander Rinke und Carsten Vollmert – begleitet von Friederike Wiesner am Klavier - einstudiert hatten.

Den Beginn machte Alexander Rinke mit Ludwig van Beethovens „An die ferne Geliebte“. Dieser Liederzyklus, nach dem Text von Aloys Isidor Jeitteles, gilt als der erste richtige Zyklus überhaupt, an dem sich alle romantischen Komponisten von Schubert bis Brahms orientiert haben. Die sechs Lieder sind über kurze Überleitungen miteinander verbunden und sehr schlicht gehalten, einige neigen sogar zu melodischer Magerkeit. Umso bemerkenswerter die Eigenschaft Alexander Rinkes, gerade an Stellen, an den leiser gesungen wird, die Intensität des Textes musikalisch zu transportieren. Aber auch der Klavierpart, der im Zyklus zunehmend an Bedeutung gewinnt, wurde von Friederike Wiesner wunderschön gespielt.
 
Vertonte Gedichte Heinrich Heines bot Carsten Vollmert mit der „Dichterliebe“ von Robert Schumann. In ihr greift Schumann das in Heines Lyrik immer wiederkehrende Motiv der unglücklichen Liebe auf. Für beide, die sich gekannt haben, ein Verarbeiten persönlicher Erlebnisse. Die „Dichterliebe“ erzählt eine Liebesbeziehung von ihrem Entstehen bis zu ihrem Ende. Und eben dies darzustellen ist Carsten Vollmert überaus gut gelungen. Besonders in den tieferen Passagen konnte man die Ausdrucksstärke seiner schönen Stimme genießen.

Nach einer kurzen Pause zog Vollmert das Publikum mit dem Zyklus „The house of life“, einem vertonten Sonett Dante Gabriel Rossettis, von Ralph Vaughan Williams in seinen Bann. „Silent noon“ wurde von Carsten Vollmert so intensiv interpretiert, dass man die berühmte Stecknadel hätte fallen hören können.

Im letzten Teil des Konzertes bekamen die Zuhörer sieben Lieder von Richard Strauss zu Gehör. Alexander Rinke sang mit beeindruckender Intonation und rhythmischer Sicherheit und wusste auch hier mit seiner Ausdrucksstärke zu überzeugen. „Morgen“, wunderbar piano und mit viel Gefühl gesungen und gespielt, und „Befreit“, intensiv und dramatisch von beiden Protagonisten dargeboten, wären besonders hervorzuheben.

Kunstlied ist immer sehr schwer an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Natürlich findet sich in dieser Musik oft das Dunkle, Düstere und Schwermütige. Jedoch, wer sich eingehender mit dieser Gattung beschäftigt, findet schnell heraus, dass diese Musik viel Farbenreichtum und Differenziertheit bietet. Alexander Rinke, Carsten Vollmert und deren
Pianistin Friederike Wiesner haben dies an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

K. Gallenbacher

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