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Zum Konzert am 03.10.2015

Berauschender Operettenabend am 25. Jahrestag der deutschen Einheit

Samstag, 3. Oktober 2015, 19 Uhr 30. Die Nation feiert. In Frankfurt findet seit Stunden ein großes Bürgerfest mit Musik, Theater, Tanz und Lasershow statt. Knapp 20 Kilometer westlich davon haben Carola Dettmar und das Salonorchester Kriftel unter der Leitung von Christopher Hardt zu einer Veranstaltung ganz anderer Art ins Rat- und Bürgerhaus Kriftel geladen: Zwar wagen auch sie mit ihrem Programm „OPERette sich, wer kann“ einen Blick zurück in vergangene Zeiten. Jedoch setzen sie ihren Fokus musikalisch und auf Zeiten, in denen Deutschland noch ganz selbstverständlich eins war. Viele der ca. 130 Zuschauer dürften die Teilung unseres Landes von Anfang an miterlebt haben. Ebenso aber haben sie auch Melodien aus Operetten und Musikfilmen in einer Zeit kennengelernt, als diese Musikrichtung noch nicht als „angestaubt“ abgetan wurde.


Das Salonorchester, das sind Christopher Hardt (Violine), Renate Ackermann (Piano), Paul Kolt (Cello), Jutta Debnar-Daumler (Saxophon), Hildegard Pöppe (Querflöte) und Horst Debnar-Daumler an der Trompete. Sie erzeugen auf professionellem Niveau an diesem Abend einen beschwingten Sound, der die fröhlich-frechen Texte – ob gesungen von der Sopranistin oder gesprochen von einem der Musiker - eigentlich gar nicht mehr braucht, um den Saal in kürzester Zeit in ein Biotop der Unbeschwertheit zu verwandeln. Carola Dettmar ist hier aber nicht weniger in ihrem Element. Mit viel Humor, Temperament und wechselnden Hüten führt sie ihr Publikum spielerisch durch Werke von Eysler, Linke, Benatzky, Kálmán, Raymond, Stolz, Strauß, Kästner, Zeller, u. a. Es ist ihr letztes Konzert in Kriftel, aber von Wehmut ist nichts zu spüren.
Mit „Grueß euch Gott, alle miteinander!“ beginnt sie als Adam Vogelhändler aus der gleichnamigen Operette von der Empore herab, um anschließend singend an den vollbesetzen Tischreihen entlang nach vorne zur Bühne zu schlendern. Es folgt ein Potpourri aus Vogelhändler-Liedern, bei dem auch das bekannte „Christel von der Post“ nicht fehlen darf. Im Zuschauerraum wird vereinzelt sehr textsicher mitgesungen. Bei „Schlösser, die im Monde liegen“ aus Frau Luna sind es schon ein paar mehr und spätestens bei „Im weißen Rössl“ gibt es im Saal kein Halten mehr: So gut wie jeder schmettert, mehr oder minder originalgetreu, mit. Eine kleine Abkühlung gibt es mit Zarah Leanders „Yes, Sir“ aus dem Musikfilm Zu neuen Ufern von 1937, bevor es in die Pause geht, in der zu rotem und weißem Wein Zwiebelkuchen angeboten wird.
Nach dieser Verschnaufpause steigen die Temperaturen im Saal nicht nur im physikalischen Sinne wieder an. Die Tonfilmoperette Die Drei von der Tankstelle müssen alle Zuschauer mindestens einmal in ihrem Leben gesehen haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass bei „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ ein wahrer Publikums-Chor einsetzt, der natürlich auch das darauffolgende „Ein Freund, ein guter Freund“ in- und auswendig kennt. Nun wollen Orchester und Carola Dettmar mit ungarischem Temperament noch einen draufsetzen. Die Csárdásfürstin ist an der Reihe. Die Sängerinnen und Sänger im Parkett sind mehr als bereit: Noch während sich die Sopranistin hinter der Bühne einen mondänen Hut auf ihren Kopf montiert, unterlegen sie schon mal die Ouvertüre zum anschließenden Potpourri mit gesungenem Text. In die folgenden Lieder legt Carola Dettmar dann ihre ganze Leidenschaft und eine überschäumende Spielfreude, während sie der große Zuschauer-Chor mit begeisterter Hingabe begleitet. Auch ohne laute „Bravo“-Rufe bei lang anhaltendem Applaus zum Abschluss wäre überdeutlich geworden, wie sehr die Künstler mit diesem Programm mitten ins Herz ihres Publikums getroffen haben. Der Vollständigkeit halber seien noch die amüsanten Anekdoten, Zitate und Gedichte erwähnt, die den Abend stilecht abgerundet haben.
Als Zugabe singen die Instrumentalmusikerinnen, begleitet von ihren „Männern“ eine umgetextete Version von Leonard Bernsteins „America“ aus der West Side Story - ihr Abschiedsgeschenk an Carola Dettmar, die im nächsten Monat genau dorthin auswandert. Nun gibt es doch noch eine Träne der Rührung, als sie ihrem Orchester und allen Anwesenden gesteht: „Ich geb’s zu: Ich werd‘ euch vermissen!“ Nach diesem Abend gibt es eigentlich keinen Zweifel mehr: Das beruht auf Gegenseitigkeit.

Christine Diegelmann

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